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Unsere Philosophie
          In unserer Arbeit mit dem Pferd folgen wir in den Fußstapfen der alten Meister. Die Ausbildungsmethode, die wir praktizieren und lehren, ist geprägt von unseren Lehrern, die alle entweder aus der Egon von Neindorff’schen Schule oder aus der Tradition der alten Spanischen Reitschule stammen. Auch die hinterlassenen Schriften der großen Reiter und Denker aus den letzten fünf Jahrhunderten haben uns maßgeblich beeinflußt, wobei ich vor allem Gustav Steinbrecht, Ernst Friedrich Seidler und Friedrich von Krane hervorheben möchte. Alois Podhajsky, Waldemar Seunig und Nuno Oliveira spielen ebenfalls eine wichtige Rolle.



Dr. Thomas Ritter auf dem Lusitano Hengst, Maquiavelo, im Galopp

Dr. Thomas Ritter auf dem Lusitano Hengst, Maquiavelo, im Galopp


Diese Künstler im Sattel haben einen gymnastischen Ausbildungsweg vorgezeichnet, der jedem Pferd individuell angepaßt werden kann. Er hilft jedem Pferd, sein volles athletisches Potential zu erreichen, ganz gleich um welche Rasse oder welchen Typus es sich handelt und ganz gleich worin die Hauptaufgabe des Pferdes besteht.

Shana Ritter auf dem Andalusier Hengst, Brio
Shana Ritter auf dem Andalusier Hengst, Brio



          Pferdegymnastik ist nicht nur für Dressurpferde geeignet, sondern auch Springpferde, Vielseitigkeitspferde, Freizeitpferde, Fahrpferde und sogar Westernpferde und Gangpferde verbessern sich hinsichtlich ihrer Rittigkeit, ihrer Zuverlässigkeit, ihrer Geschmeidigkeit und ihrer Gesundheit.

Dressurarbeit sollte immer Grundlagenarbeit sein. Fehler, die in schweren Lektionen auftreten, sind eigentlich immer auf Schwächen in der Grundausbildung zurückzuführen. Systematische Grundlagenarbeit wird im Laufe der Zeit jedem Pferd innerhalb seiner natürlichen Grenzen zur höchsten Entfaltung seiner Talente verhelfen. Dabei werden schwere Lektionen in dem Maße reitbar und relativ gesehen immer einfacher, je perfekter Pferd und Reiter die Grundlagen beherrschen. Das ist einerseits für manche Reiter vielleicht frustrierend, weil es keine Abkürzung gibt, keinen Ersatz für tägliche ehrliche Arbeit. Andererseits ist es beruhigend zu wissen, dass man früher oder später unweigerlich am Ziel ankommt, wenn man nur immer gewissenhaft seine Hausaufgaben macht.

Diese dressurmäßigen Grundlagen können folgendermaßen knapp zusammengefaßt werden: Das Pferd muß im Laufe seiner Karriere 6 elementare Grundanforderungen zu erfüllen lernen: Es soll jederzeit willig vorwärts gehen, sich durchparieren lassen, biegen, wenden, seitwärts übertreten und rückwärtsrichten können. Es soll ferner in der Lage sein, jederzeit nahtlose Übergänge auszuführen zwischen Gangarten, innerhalb der Gangarten, von geraden Linien zu gebogenen Linien und umgekehrt, von Zirkeln zu Volten und umgekehrt, vom einfachen Hufschlag zu Seitengängen und umgekehrt, von einem Seitengang zum anderen, von einer Biegung zur anderen, von einer Hand zur anderen usw. Dabei müssen Haltung, Takt, Tempo, Trittlänge (außer bei den Übergängen innerhalb der Gangart), Energieniveau, Anlehnung, Gleichgewicht und Geschmeidigkeit erhalten bleiben.


          Die alten Meister lehrten, dass Gleichgewicht und Geschmeidigkeit die Eckpfeiler der Dressur sind. Das Gleichgewicht setzt sich zusammen aus einem Tempo, das so regelmäßig ist wie ein Metronom, und der perfekten Ausrichtung der Hüften und Schultern des Pferdes auf den gerittenen Hufschlaglinien (mit anderen Worten: Geraderichtung). Dabei ist es von allergrößter Wichtigkeit, dass Zirkel und Volten rund sind und gerade Linien wirklich gerade. Daher muß auch jede gymnastische Trainingseinheit mit dem korrekten Reiten der Hufschlagfiguren in einem gleichmäßigen Tempo beginnen. Auf dieser Grundlage können sich dann die Losgelassenheit, die gleichmäßige, feine Anlehnung, sowie Schwung und Versammlung entwickeln bzw. erarbeitet werden.



Dr. Thomas Ritter mit Lipizzaner Hengst, Maestoso II Shama II, am Langen Zügel

Dr. Thomas Ritter mit Lipizzaner Hengst, Maestoso II Shama II, am Langen Zügel


Alles, was man mit dem Pferd tut, muß dem körperlichen und seelischen Wohlbefinden des Pferdes dienen. Alle anderen Erwägungen, wie Turnierpläne, sind von untergeordneter Bedeutung. Denn was nützt es, wenn ein Pferd in Rekordzeit zum Grand Prix ausgebildet wird, nur um dann im Alter von 12 Jahren so lahm zu sein, dass es in den Ruhestand gehen muß? Oder wenn ein Pferd mit 6 Jahren M Dressuren gewinnt und dann seelisch überfordert und körperlich abgenützt ist, so dass es nie über die Klasse M hinauskommt, wenn es bei richtiger Behandlung und Ausbildung nicht nur das Grand Prix Niveau erreicht hätte, sondern dabei auch körperlich und geistig gesund geblieben wäre? Wir stimmen daher voll und ganz mit Waldemar Seunig (1949) überein, der schreibt: “Eine Dressur, deren Endergebnis nicht auch konservierend ist, hat keine Daseinsberechtigung und unterbleibt besser ganz.”

Thomas Ritter auf der Lipizzaner Stute, Electa, in der Piaffe
Thomas Ritter auf der Lipizzaner Stute, Electa, in der Piaffe



          Jede Interaktion mit dem Pferd, jede Hilfe, jede Übung oder Lektion ist eine Lernerfahrung für das Pferd und macht es entweder besser oder schlechter. Es gibt keinen Mittelweg. Man muß deswegen unbedingt darauf sehen, daß alles immer auf eine Verbesserung abzielt und daß man den Erfolg aus Gedankenlosigkeit nicht selber sabotiert. Die Ausbildung muß das Pferd immer zuverlässiger und gehorsamer machen und es besser auf die Reiterhilfen abstimmen, ganz gleich in welchem Rahmen oder unter welchen Umständen es geritten wird.

Die Dressur war früher hauptsächlich eine Vorbereitung für die Arbeit des Kriegs- oder Jagdpferdes. Leben und Gesundheit des Reiters hingen oft von der Qualität der Dressurausbildung seines Pferdes ab. Heute ist das leider nicht mehr der Fall, und in einem Zeitalter, wo viele Pferde nur Testaufgaben in einer fest umschlossenen Reitbahn absolvieren müssen, anstatt im Freien natürliche Hindernisse zu überwinden, und wo die Qualität des Pferdematerials ein Rekordhoch erreicht hat, lassen sich viele Reiter dazu verleiten, ihr Pferd nur abzurichten anstatt es auszubilden. Es produziert dann Tricks und ist nicht wirklich ehrlich an den Hilfen. Denn die Probe der Qualität der Ausbildung besteht darin, wie das Pferd sich in schwierigen Situationen mit vielen Ablenkungen verhält.


          Da (klassische) Dressur naturorientiertes Reiten sein soll, müssen die Lektionen, die man dem Pferd beibringt, entweder von ihm auch in Freiheit gezeigt werden, so wie fliegende Galoppwechsel, Piaffe, Passage und Schulen über der Erde, oder sie müssen gymnastische Übungen sein, die das Gleichgewicht, die Geraderichtung oder die Geschmeidigkeit des Pferdes verbessern, wie z.B. die Seitengänge. Lektionen, die nicht unter diese Kategorien fallen, schließen wir von der Ausbildung aus.

Lektionen, die ohne positive gymnastische Auswirkung auf Gang und Haltung geritten werden, sind nur Kunststückchen. Sie wurden früher als „Pudeldressur“ bezeichnet und haben keine Daseinsberechtigung in einer gymnastischen Dressurausbildung.



Shana Ritter mit Lipizzaner Stute, Sophia Dahlia, in der Passage am Langen Zügel

Shana Ritter mit Lipizzaner Stute, Sophia Dahlia, in der Passage am Langen Zügel


Die Gebiete, auf denen der Reiter ständig nach Verbesserung streben muß, sind die immer feinere Abstimmung des Pferdes auf die Hilfen des Reiters, so dass das Pferd unverzügilch auf eine leichte Hilfe anspricht, was man früher als Sekundengehorsam bezeichnet hat, Regelmäßigkeit in Takt, Tempo und Trittlänge, Präzision der Hufschlagfiguren, Geschmeidigkeit, Durchlässigkeit, Gleichgewicht, eine leichte, stete, gleichmäßige Anlehnung, die korrekte Ausrichtung der Hüften und Schultern des Pferdes auf die gerittene Linie, Schwung und die allmähliche Verlagerung der Last auf die Hinterhand (Versammlung).


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Zeichnungen von Maria Mähler: www.maria-maehler.de